Trekking in Kanada
2 Monate ziehen wir durch den Westen Kanadas.
-
Vancouver Island
...
-
Smoky River
Es war am 11. August 2004, dass vier Felons in Vancouver an der Westküste Kanadas landeten und alsbald ihren Weg trampend nach Nordosten ins Landesinnere fortsetzten. Dort trafen Hörbe, Wulf, Spüli und Richie auf extreme Hitze von über 40 Grad und zwei Pfadfinderbrüder namens Mischa und Mathis, die bereits vier Wochen in Kanada gewesen waren. Weiter im Norden von British Columbia begann unsere erste Tour in den Rocky Mountains, die sich vom Süden der USA bis nach Alaska erstrecken. Mittlerweile waren wir aus dem heißesten Gebiet Kanadas heraus und von nun an sollte der Regen ein ständiger Begleiter sein. Zwei Wochen zogen wir durch die einsame Wildnis den Smoky River hinauf - ohne Wege, geschweige denn Menschen zu sehen. Wir kämpften uns im dichten Wald durchs Unterholz und versuchten auf den schwer zu findenden Pfaden der wilden Tiere voranzukommen. Oft mussten dabei quer liegende Baumriesen oder reißende und eiskalte, von Gletschern kommende Seitenflüsse überwunden werden und man war froh und geschafft, wenn man am Ende eines langen Tages zehn Kilometer zurückgelegt hatte. Einige Tage durchwanderten wir ein Gebiet, das vor einigen Jahren von einem vernichtenden Waldbrand heimgesucht worden war, der nur trostlose Stümpfe und eine unheimliche Stimmung zurückgelassen hatte. Nach zehn Tagen waren wir an der Quelle des Smoky Rivers und überquerten bald darauf den darüber liegenden Pass, um von nun an auf der anderen Seite wieder abzusteigen. Schließlich kamen wir am Fuße des mächtigen Mount Robson, dem mit 3954 Metern höchsten Berg der kanadischen Rocky Mountains, heraus, der wohl der berühmteste Gipfel Kanadas ist und auf vielen beeindruckenden Fotos mit dem türkisgrünen Gletschersee Berg Lake zu sehen ist. Bald darauf gelangten wir, nachdem wir etwa 200 Kilometer zurückgelegt hatten, zum Highway. Nachdem wir noch alle zusammen Wildwasserraften gegangen waren, verließ uns der Lionel Mathis, da er bald seinen Zivildienst in Portugal beginnen musste. Fünf Felons - nun unter sich - begaben sich von hier aus in den hohen Norden British Columbias; mittlerweile war es September geworden.
-
Stone Mountain Park
In den nördlichen Ausläufern der Rockies machten wir die nächste Tour - diesmal im Fjäll. Anfangs hatten wir uns wohlgesonnenes, warmes und endlich einmal sonniges Wetter. Als wir jedoch am zweiten Morgen erwachten, war um uns herum alles weiß und es sollte für zwei weitere Tage ununterbrochen weiterschneien. Darauf waren wir eigentlich nicht vorbereitet und wir gelangten an unsere Grenzen, zumal wir einen vollen Tag dadurch verloren, dass wir im Nebel zum Ende eines parallel gelegenen Tales aufstiegen, dass dann schließlich vor einer mächtigen Felswand endete, die wir im Schneetreiben erst spät erkennen konnten. Die Stimmung war am Umschlagen und wir überlegten, ob es nicht sinnvoller wäre, zur Straße zurückzulaufen. als wir jedoch auf dem Rückweg das richtige Tal fanden, zogen wir die Tour durch. Dafür wurden wir allerdings belohnt: Am Nachmittag des dritten Tages kam die Sonne heraus und gab die Blicke frei auf eine traumhaft schöne Winterlandschaft (es war im Kalender noch Sommer…). Die folgende, sternklare Nacht war in den Sommerschlafsäcken bei -15 Grad eher schlaflos und am nächsten Morgen mussten die steinhart gefrorenen Schuhe mit Stöcken aufgehebelt werden… Am nächsten Tag überschritten wir den Pass und stiegen in tiefer gelegene Gegenden ab, während der Schnee in der Sonne dahinschmolz. Die verbleibenden zwei Tage zogen wir dann einen Fluss hinab, dem wir durch einen beeindruckenden Canyon folgten. Es waren unvergesslich schöne Tage, doch wir hatten genug von der Kälte.
-
Queen Charlotte Islands
Nachdem wir unsere verfrorenen Körper in heißen Schwefelquellen wieder erstarkt und erwärmt hatten, wandten wir uns gen Süden und verbrachten die letzte Woche auf den Queen Charlotte Islands, einer Inselgruppe im Pazifik, die nicht zu unrecht den Namen "Kanadische Galapagosinseln" trägt. 110 Kilometer wanderten wir an einem einsamen Strand entlang, erlebten überwältigende Sonnenaufgänge von atemberaubenden Klippen, sahen Orkas, Robben und Weißkopfseeadler, fingen Lachse, badeten im frischen Pazifik und trotzten schlechtem Trinkwasser, Regen und Sturm. Nach sieben erlebnisreichen Wochen waren wir wieder in Vancouver angelangt und es fiel uns nicht leicht, uns von Kanada zu verabschieden, das nun in den überwältigenden Farben des "Indian-Summer" erglüht war. Nach dieser, unser größten Fahrt, von der wir Ende September zurückgekehrt sind, werden die Felons nun ihre eigenen Wege gehen.