Stone Mountain Park
In den nördlichen Ausläufern der Rockies machten wir die nächste Tour - diesmal im Fjäll. Anfangs hatten wir uns wohlgesonnenes, warmes und endlich einmal sonniges Wetter. Als wir jedoch am zweiten Morgen erwachten, war um uns herum alles weiß und es sollte für zwei weitere Tage ununterbrochen weiterschneien. Darauf waren wir eigentlich nicht vorbereitet und wir gelangten an unsere Grenzen, zumal wir einen vollen Tag dadurch verloren, dass wir im Nebel zum Ende eines parallel gelegenen Tales aufstiegen, dass dann schließlich vor einer mächtigen Felswand endete, die wir im Schneetreiben erst spät erkennen konnten. Die Stimmung war am Umschlagen und wir überlegten, ob es nicht sinnvoller wäre, zur Straße zurückzulaufen. als wir jedoch auf dem Rückweg das richtige Tal fanden, zogen wir die Tour durch. Dafür wurden wir allerdings belohnt: Am Nachmittag des dritten Tages kam die Sonne heraus und gab die Blicke frei auf eine traumhaft schöne Winterlandschaft (es war im Kalender noch Sommer…). Die folgende, sternklare Nacht war in den Sommerschlafsäcken bei -15 Grad eher schlaflos und am nächsten Morgen mussten die steinhart gefrorenen Schuhe mit Stöcken aufgehebelt werden… Am nächsten Tag überschritten wir den Pass und stiegen in tiefer gelegene Gegenden ab, während der Schnee in der Sonne dahinschmolz. Die verbleibenden zwei Tage zogen wir dann einen Fluss hinab, dem wir durch einen beeindruckenden Canyon folgten. Es waren unvergesslich schöne Tage, doch wir hatten genug von der Kälte.
23. Fahrtentag, Donnerstag der 2. September 2004
von Richie und Wulf
Als wir morgens aufwachten, empfing uns, wie sollte es auch anders sein, ...plätscher, plätscher... ihr wisst schon. Wir frühstückten gemeinsam, lasen die letzten 28 Seiten des Buches und verabschiedeten den Lionel. Dann gingen Rutschie und ich auch gleich an Straße. Ankunft: kurz vor zehn. Es heiß erstmal wieder warten, nass werden und immer schön grinsen, was das Zeug hält. Richie hat seinen Gesichtsausdruck dabei soweit perfektioniert, dass er zum einen so aussieht, als finge er gleich an zu heulen und zum anderen erinnert es mich irgendwie stark an die Visage von jemandem, der gerade auf dem Klo sitzt und versucht, sonst was dickes von sich zu geben... Ich persönlich bin da eher der Überzeugung, dass eine gute Beinarbeit wesentlich wichtiger und wirkungsvoller ist. Nach einiger Zeit jedenfalls, ich glaube circa anderthalb Stunden oder so, bekamen wir unseren ersten Ride, wenn auch leider nicht sehr weit. (Kleiner Reim am Rande, hö! hö!). Jedenfalls standen wir weitere anderthalb Stunden oder so im Regen (hier plus extra kalter Wind), bis uns ein echter Fire Fighter bis Prince George beförderte. An einer Tanke kauften wir Kekse und Donuts und weiter ging´s mit einem jungen Indio zum Ortsausgang. Dort nahm unser Glück seinen Lauf, indem uns Jeff und Sally plus der kleine Shames mitnahmen. Jeff war zuerst an uns vorbei gefahren, hatte dann aber hinter der Kurve ein schlechtes Gewissen bekommen und ist noch mal zurück gefahren. Es stellte sich heraus, dass die beiden selbst schon halb Kanada ertrampt haben. Wir wurden jedenfalls eingeladen. Speisekarte: Salat mit Paprika, Pilzen, Gurken... Kartoffeln Steaks mit Zwiebeln und zum Nachtisch eine komische Creme mit Schokodips und Kokosflocken. Abends unterhielten wir uns noch lange, bekamen von Kanada erzählt und berichteten von Deutschland. Über Nacht konnten wir dann unsere Klamotten waschen, also alles wie in den schönsten Träumen.
Wulf
23. Fahrtentag, Donnerstag der 2. September 2004
von Hörbe
Wulf und Richie sind gerade an den Highway gegangen. Wir anderen packen gemütlich ein. Während Mischa duschen ist, setze ich mich mit Mathis und Spüli in die Kneipe. Wir unterhalten uns nett mit den Rafting-Typen. Mischa kommt vom Duschen wieder und wir sehen ein wenig Wulf und Richie zu. Ich gehe an die Straße als die beiden weg sind. Nach etwa einer halben Stunde kommen die anderen. Sie wurden von den ach so netten Leuten nett rausgeschmissen. Wir laufen ihrer Empfehlung nach an einen ein Kilometer entfernten Rastplatz. Völlig schwachsinnig. Mathis trampt mit mir. Nach dreißig Minuten hält eine Familie. Mathis steigt nach ein paar Kilometern wieder aus, ich fahre bis nach Prince George bei gutem Essen. Ich kaufe ein, esse Eis und trampe noch dreißig Kilometer. Der Typ nuschelt irgendwas von irgendwelchen schönen Städten. Ich verstehe nicht was er sagt und nicke immer wieder zustimmend. Nach 1,5 Kilometern habe ich keine Lust mehr und schlafe.
Hörbe
23. Fahrtentag, Donnerstag der 2. September 2004
von Mischa und Spüli
Nachdem Hörbe und Mathis recht flott vom Mount Terry Fox Rastplatz mitgenommen worden waren, haben Spüli und ich uns an die Straße gestellt. Schon nach einigen Minuten kam ein grüner Oldtimer (Baujahr 1953) von der entgegengesetzten Richtung, hat gewendet und uns bis Prince George mitgenommen. Dank Hörbe und Mathis, die der Oldtimerfahrer wohl erst zu spät gesehen hatte, genossen wir nun eine schiffsähnliche Fahrt entlang des Fraser River. Gegen 16 Uhr wurden wir direkt vor der Library abgesetzt, wo wir uns über den Mount Edziza und den Stone Mountain Park informiert haben. In einem Supermarkt haben wir für die nächsten Tage eingekauft und anschließend die Buchläden nach Topo-Karten vom Mount Edziza abgeklappert. Mit leeren Händen sind wir gegen 20 Uhr zum Ortsausgang gelaufen und haben uns in der Dämmerung an die Straße Richtung Fort Nelson gestellt. Als es dunkel war, haben wir das Trampen eingestellt und uns einige Meter abseits der Straße in die Büsche gehauen.
Mischa
24. Fahrtentag, Freitag der 3. September 2004
von Richie und Wulf
So um acht Uhr wachten wir auf, verfrachteten die Wäsche in den Trockner und gingen duschen. Zum Frühstück gab´s Rührei mit Speck. Jeff verabschiedete sich zur Arbeit. Es dauerte noch, bis wir mit vollen Bäuchen und Lunchpaketen, Mackenzie verließen – Sally und Shames brachten uns die dreißig Kilometer zum Highway und zwar nicht ohne uns vorher noch ein Eis gekauft zu haben. Nun standen wir erstmal drei Stunden an der Straße bis uns ein Jäger mit zwei Hunden im Pick-up ein Stück mitnahm. Während wir weitertrampten, versuchten wir zu essen (Sandwiches und Steaks von gestern), doch sofort hielt ein japanischer Geländewagen mit Rechtssteuer (!) an, der uns bis nach Dawson´s Creek mitnahm. Der Fahrer hatte die in Kanada nicht erhältliche Dieselversion in Japan via Internet erstanden und wollte sei nun gewinnbringend verkaufen. Wir sahen während der Fahrt unseren ersten Bären in Kanada – es war ein junger Schwarzbär. Von Dawson´s Creek gaben uns zwei fette nervige Mädels einen Ride bis Fort Saint John, die kein Lied zu Ende hören konnten. Von da brachte uns ein Ölarbeiter in die totale Pampa, wo er irgendwo im Wald ´nen Kumpel besuchen wollte. Mehr oder weniger ernsthaft hielten wir noch ein bisschen im Dunkeln den Daumen raus – und siehe da, ein dicker Pick-up mit Sattelanhänger und Hörbe drin hielt an!
Richie
24. Fahrtentag, Freitag der 3. September 2004
von Hörbe
Heute Morgen war das Glück mir noch nicht hold und ich wartete anderthalb Stunden, um fünfig Kilometer zu fahren. Kurz Warten. Dann nahm mich ein Typ mit, der komische Fragen stellte. Die nächsten gaben mir einen Ride bis nach Dawson´s Creek. Dies war ein sehr langes Stück mit wenig Unterhaltung und mäßig guter Musik.. In Dawson´s Creek aß ich etwas und musste dann circa dreißig Minuten warten. Den Menschen konnte man gut verstehen. Ich unterhielt mich mit ihm über Kanada und Deutschland und hab´ ich vergessen. Später kam ich an Wulf und Richie vorbei. Die nahmen wir dann mit. Er erzählte uns etwas über Wildlife, seine Farm und so weiter. Richie hat uns dann bei ihm eingeladen. Um halb eins kamen wir bei ihm an und schliefen auf einer Weise. Vom Regen wachten wir nachts auf. Wulf und Richie bauten das Zelt auf. Ich blieb noch draußen liegen, da es wieder aufhörte. Später ging ich dann doch rein.
Hörbe
24. Fahrtentag, Freitag der 3. September 2004
von Mischa und Spüli
Früh morgens überraschte uns der Regen, nachdem wir so sorglos bei unbedecktem Himmel eingeschlafen waren. Da sind die Nacktschnecken auch nicht mehr weit gewesen... Dadurch, dass wir dann verhältnismäßig früh aufwachten, hatten wir einen Glücksfall beim Trampen. Anscheinend war unser Fort-Nelson-Tramp-Schild attraktiv genug, so dass uns ein Abschleppauto mitnahm. Der Fahrer entpuppte sich als besonderer Spaßvogel, wenn es um seine Lieblingsdisziplin bei den langen Fahrten ging: „to hit a road chicken“, sprich: Vögel überfahren. Auf halber Strecke nach Fort Saint John, nachdem uns der Fahrer bei einem Zug von der Marihuana-Tüte erzählte, dass es nicht leicht und selten sei, ein Road Chicken zu treffen, passierte das Ungeahnte: Ein fetter Vogel passte in der Kurve nicht auf, erwischte die oberen Signallichter, schlief auf der Motorhaube unerwartet ein und blieb die ganzen 300 Kilometer bis Fort Saint John dort liegen. Eine Heldentat im Leben eines Truckers! Dementsprechend ausgelassen johlte dieser dann auch. In Fort Saint John angekommen, mussten wir zunächst etwas laufen, bis wir eine vernünftige Stelle zum Trampen fanden. Nicht lange dauerte es, bis uns zwei Arbeiter bis Oneoone ?????? mitnahmen (eine Stunde). Nach einer Weile hatten wir dann einen sehr netten und zuvorkommenden Fahrer, der uns auf der Fahrt etwas zu trinken und Trockenfleisch kaufte und auch noch direkt nach Fort Nelson brachte. Unterwegs sahen wir ein großes Tier – vielleicht einen Elch. In Fort Nelson angekommen, bekamen wir sogar noch zwei große Sandwich-Lunchpakete, so dass wir schnell schlafen gehen konnten ohne noch kochen zu müssen. Vorher hatten wir noch am Visitor Centre nach den anderen gesehen – ohne Erfolg.
Spüli
25. Fahrtentag, Samstag der 4. September 2004
Morgens wurden wir geweckt und gingen dann ins Haus zum Frühstücken mit der ganzen Familie. Es waren elf Kinder. Sie hatten alle komische Namen. Nach dem Beten am Tisch gab es Essen. Zuerst Porridge mit Honig und Milch, danach getoastetes Brot. Die Marmelade war sehr lecker. Wir aßen viel mehr und länger als alle anderen. Nach dem Essen gingen wir mit Danny, dem „Familienoberhaupt“ und den beiden ältesten Söhnen Timber und Remington arbeiten. Wir fuhren mit dem Pick-up eine Weile zum Arbeitsplatz. Dort wurden Bäume gefällt und Baumstämme von letztem Jahr zu Balken geschnitten. „Die Säge“, die das vollbrachte, war sehr interessant. Sie wurde durch einen Boxermotor von einem Mexico-Käfer angetrieben und faszinierte Wulf und Richie sehr. Wir mussten zuerst das Sägeblatt wechseln und schärfen. Danach nahmen wir Balken von der Sägemaschine, schnitten sie klein mit der Motorsäge und stapelten sie. Nach ein paar Stunden fuhren wir wieder zum Haus um mittag zu essen. Es gab Salat, Erbsen, Hackfleisch Pie und Brot mit Butter. Zum Nachtisch hatten wir Kuchen. Richie und Wulf wollten noch weiter arbeiten, ich hatte keine Lust mehr. Wir fuhren dann doch noch mal arbeiten. Die Balken, die wir sägten, waren für das Haus von Timber, dem ältesten Sohn von Danny, der so alt war wie wir und im Oktober heiraten würde. Nachmittags fuhr ich mit Danny Mischa und Spüli am Visitor Centre suchen und ein paar Heuballen holen. Mischa und Spüli waren sogar schon gestern Abend da gewesen, nur hatten wir da noch nicht mit ihnen gerechnet und daher auch nicht nach ihnen geschaut. Zum Abendessen kamen dann auch Richie und Wulf wieder. Es gab Kartoffelpüree, zähes Fleisch, Salat, Brot und Erbsen. Wir aßen mal wieder am meisten. Zum Nachtisch gab es noch Apfel-, Rhabarber- oder Kürbispie. Das war das beste. Wir überlegten, ob wir so dreist sein könnten, dass wir noch mal nachnehmen, da alle anderen sich mit einem Stück begnügten. Wir kamen dann zu dem Schluss, dass wir kein Bergfest feiern wollten (hatten wir ja gerade) und machten eine Essensliste. Spüli und Mischa gingen dann mit Danny einkaufen. Weil Mischa und Spüli keine Karten für den Mount Edziza bekommen hatten, wollte Danny für uns welche besorgen und mit Greyhound nach Toad River schicken. Am nächsten Morgen wollte die Familie uns mit in den Stone Mountain Park nehmen, da sie dort in der Nähe zur Kirche oder sowas wollten. Am Abend sangen wir noch und gingen dann irgendwann schlafen.
Hörbe
26. Fahrtentag, Sonntag der 5. September 2004
Nach einem letzten „vollständigen“ Frühstück begaben wir uns in die Autos mit der ganzen Familie Soles, die uns zum Stone Mountain Park fuhr. Etwa gegen Mittag erreichten wir dann den Anfang des McDonald-Trails. Wir nahmen uns vor, den einzigen, etwa 80 Kilometer langen, Weg des Parks in etwa vier Tagen zu durchwandern. Gleich zu Beginn des nach Süden führenden Trails sahen wir einige Kariboos, die uns nur sehr träge auswichen. Zuerst verlief der Pfad nahe am Bach, ging dann später in etwas höhere Lagen. An einigen Stellen war er weniger leicht zu finden. Es war endlich mal wieder einmal so warm, dass man in kurzer Hose und T-Shirt laufen konnte. Wir hatten ja schon immer mal davon geträumt, im Herbst durch das farbintensive und mückenfreie Fjäll zu wandern. Die Farben hier waren überwältigend in ihren Rot-, Gelb- und Brauntönen. An einer Flusseinmündung fanden wir schließlich einen guten Platz für die Zelte, nachdem es irgendwann nachmittags angefangen hatte zu regnen. Wir kochten 750 Gramm Couscous mit 250 Gramm Nudeln in delikater Tomatensoße als Bonus, bevor wir allmählich schlafen gingen.
Spüli
27. Fahrtentag, Montag der 6. September 2004
Morgens war es kalt und es lagen ein paar Zentimeter Schnee. Gestern war es noch angenehmer Herbst gewesen, heute war Winter. Zum Frühstück gab es Porridge. Ich verlor beim Schnicken-wer-vorläuft. Vorlaufen wollte keiner, weil man im allgegenwärtigen Gestrüpp nasse Hosen bekommt. Die ersten Kilometer liefen wir auf einem Weg, der sich dann verlief. Danach waren die Füße so warm, dass sie nicht mehr weh taten und man konnte die Hände aus den Taschen nehmen. Es schneite den ganzen Tag. Da die Sicht schlecht war, war die Orientierung nicht einfach und wir verliefen uns in ein falsches Tal. Das war eine Sackgasse. Wegen der Kälte und dem Schnee, der auf circa zwanzig Zentimeter gestiegen war, und unserer unzureichenden Ausrüstung, überlegten wir, als wir vor einer unüberwindbaren Felswand standen, zurück zur Straße zu gehen. Wir gingen noch eine Weile zurück, bis wir unser Lager aufbauten und Bulgur kochten. Wenn man sich nicht bewegte, taten sehr schnell die Füße weh. Die Hände mussten man immer in den Taschen haben und konnte so nur schwer das Zelt aufbauen.
Hörbe
P.S.: Mittagessen gab´s auch irgendwann (mittags).
28. Fahrtentag, Dienstag der 7. September 2004
Demotivation: Es regnet, äh, Quatsch, falscher Text, schneit noch immer. Wir bleiben erstmal liegen, obwohl´s auch nicht gerade warm ist. Aufstehen ist eine Überwindung, die Zelte einpacken oder Porridge kochen noch schlimmer – wir tun dann notgedrungen doch dies alles. Die Mehrheit will zurück zur Straße... (so schnell wie möglich). Während wir allerdings laufen, erwärmt sich mit unseren Körpern auch die Moral: Bis auf einen wollen jetzt alle die Tour zu Ende bringen! Am späten Vormittag haben wir wieder das Tal des McDonald Creek erreicht und sind aus dem Seitental raus, das uns gestern zum Verhängnis im Nebel wurde. Wir schwenken wieder nach Süden. Das gestrige Verlaufen hat uns anderthalb Tage gekostet! Während des Knäcke-Peanutbutter-Maissirup-Mittagessen und nach einem zünftigen Anstieg, kommt die Sonne raus! Müsliriegelpause in Wintermärchenlandschaft. Am frühen Abend stellt Spüli fest, dass er ´ne Nagelbettentzündung hat. Wir laufen nicht mehr weit und lagern vor dem Pass an einem Bach, in dem Hörbe nach dem Aufbauen und der Kartoffelbrei-Mahlzeit, es sich nicht nehmen lässt, seine Socken bei circa minus fünf Grad Celsius zu waschen – nur die harten komm´ in Garten...
Richie
29. Fahrtentag, Mittwoch der 8. September 2004
Schon am Abend war es am Aufklaren gewesen und wir hatten uns auf eine kalte Nacht vorbereitet so gut es eben mit unserer Sommerausrüstung ging. Als ich dann am Morgen die Temperatur gemessen habe, waren es minus elf Grad Celsius. Nachts dürfte es noch kälter gewesen sein. Obwohl wir wegen der Kälte wenig Schlaf bekommen hatten, standen Hörbe und ich um halb acht auf und begannen krampfhaft, in unsere Schuhe zu kommen. Hörbe war schon nach kurzer Zeit erfolgreich und hat mit dem wenigen Gestrüpp-Holz Feuer gemacht. Nach über drei Stunden waren die Zelte abgebaut, der Porridge gegessen und alle abmarschbereit. Zuerst ging es über einen leicht ansteigenden Pass der Sonne entgegen. Nach den ganzen Tagen in Regen, Nebel und Schneegestöber, war die Sonne, die uns ins Gesicht schien und vom Schnee reflektiert wurde, ziemlich ungewohnt. Gegen Mittag haben wir den Pass erreicht und eine Knabber-Pause eingelegt. Von nun an schmolz der Schnee am Südhang von nahezu Knietiefe bis zu einem kleinen Rest dahin. Glücklicherweise fanden wir beim Abstieg schnell den Pfad, weil es sonst kein Spaß gewesen wäre, durch das enge, steile Tal zum Wokkpash-Lake zu laufen. Wir sahen ein paar Steinböcke. Am Ende des Tals angekommen, haben wir eine kurze Trinkpause eingelegt und uns daraufhin noch ein paar Kilometer durch den Wald geschlagen, bis wir am frühen Nachmittag mittag gegessen haben. Wir hatten den Weg, wie man sieht, mittlerweile auch schon wieder verloren. Anschließend sind wir das letzte Stück bis zum See abgestiegen, wo wir einen guten Pfad vorfanden. Während einer Rast kam Scott, ein kanadischer Solo-Wanderer, mit beachtlichem Tempo angelaufen und hätte uns fast übersehen, wenn wir uns nicht bemerkbar gemacht hätten. Von nun an ging es wesentlich schneller voran, weil wir einem ausgetrampelten Trail folgten. Den See hatten wir bald hinter uns gelegt und der Weg führte nun an der nördlichen Talseite entlang. Als wir die kleine Schlucht eines Seitenarmes überquert hatten und dort einen guten Lagerplatz vorfanden, beschlossen wir, für heute Schluss zu machen; vor allem wegen Spüli und seinem lädierten Zeh. Die Zelte waren wie immer schnell aufgebaut und als es dunkel wurde, saßen wir am Feuer, sangen und aßen.
Mischa
30. Fahrtentag, Donnerstag der 9. September 2004
...Happy Birthday to you, happy Birthday to you, happy Birthday, dear Thomas, happy Birthday to you...
Tom hat Geburtstag. Er ist zwar gar nicht hier, aber sein aufrechter Geist wird weiter leben in unseren Herzen... Also: Wir sind recht früh aufgestanden und haben unseren üblichen Morgenporridge gekocht. Heute wollen wir bis zum Highway kommen, was ein ganz ordentliches Stück Strecke ist. Der Pfad, dem wir folgten, führte uns durch Taiga-artigen Wald an einem krassen Canyon entlang. Überall in den Felsen waren Türme und Höhlen. Wir liefen die fünfzehn Kilometer bis zur Schotterpiste mehr oder weniger durch und aßen dort mittach. Unterwegs sahen wir noch jede Menge Wapiti-Hirsche, die wie wir die strahlende Sonne genossen und über das Geröll joggten, wobei sie dabei wesentlich eleganter aussahen. Als wir gerade mit dem Mittagessen fertig waren – es war inzwischen wieder zugezogen und schneite ein bisschen – hörten wir unverhofft ein Motorgeräusch. Richie sprintete zur Piste und tatsächlich kam da ein Auto und hielt auch gleich an. Es fuhr allerdings in die falsche Richtung in irgendein Camp. Der Fahrer meinte aber, wir würden von dort später eine Mitfahrgelegenheit zum Highway bekommen. Wir stiegen also in den Pick-up ein: zwei vorne beim Fahrer und drei mit den Rucksäcken auf die Ladefläche. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das Lager. Wie wir später erfuhren, räumten die Männer im Auftrag der Landesregierung von British Columbia die alten Kupferminen, denen die Schotterpiste als Zufahrt diente, auf. Sie sammelten also den ganzen Schrott und Müll ein, der vor dreißig Jahren einfach zurückgelassen wurde, als die Minen geschlossen wurden. Am Ende würden sie auch die Schotterstraße auflösen und das Gebiet vollständig der Natur zurückgeben. Dies alles erzählte uns ein uriger, schwerhöriger Typ mit Jeans, Cowboystiefeln, extremen O-Beinen und mit einem Finger zu wenig, der uns dann im nagelneuen Pick-up nach Toad River, einem Tankstellenkaff am Alaska-Highway brachte. Es mussten dabei wieder zwei von uns auf der Pritsche mitfahren, wobei wir uns aber abwechselten, weil es schon ganz schön kalt wurde. So um 18 Uhr sind wir angekommen und mussten feststellen, dass dort keine Karten vom Mount Edziza hinterlegt waren. Wir riefen also die Soles an und erfuhren, dass sie keine Karten hatten auftreiben können. Damit stand also fest, dass wir wieder weiter in den Süden trampen würden. Wir versuchten noch, wegzukommen, gaben aber mangels Autos schnell auf und bauten neben einer Flugzeuglandebahn die Zelte auf. Klöße.
Wulf