Hochtour in den Berner Alpen
geschrieben von Richard am 28.08.2007
Zusammenfassung coming soon...
1. Tag, Samstag 21. Juli 2007
Am nächsten Morgen ist uns das Wetter hold und so stehen wir um 6 Uhr auf, packen unsern Kram und steigen von 1200m im Fieschertal auf. Als wir den mächtigen, von kapitalen Seracs durchklüfteten Fieschergletscher unter uns sehen, folgen wir dem Pfad nach Westen bis zum Sattel auf etwa 2400m hinauf. Das Wetter ist freundlich und konstant bewölkt, was das Wandern angenehm macht. Hinter dem Pass lassen wir das südlich stehende Eggishorn links liegen und steigen von Touristen und Christinnen belästigt – nirgendwo ist man vor deren Merchandising sicher – zum Aletschgletscher hinab, der sich vor uns als Koloss aus Urzeiten aufbaut und dem Treiben um ihn herum desinteressiert seine kalten Flanken zeigt – ein schlafender Titan. Nachdem wir nun auf seinen Rücken gekrabbelt sind, ziehen wir alsbald unsere Steigeisen an und begeben uns entlang einer der Mittelmoränen auf den Weg nach Norden. Die majestätische Weite macht es schwer, Entfernungen zu erfassen, sodass wir den zum Greifen nahen Konkordiaplatz erst nach etwa zwei Stunden erreichen. Währenddessen ist es zunehmend ungemütlicher geworden und während wir unseren Weg durch das Spaltenlabyrinth suchen, prasseln immer wieder kurze Graupelschauer auf uns herab. Wir schlagen dann unser Lager auf dem Geröllschutt der östlichen Seitenmoräne auf und liegen pünktlich als das Unwetter beginnt, gesättigt von Kartoffelpureé mit Speck, im Zelt. Die späten Abendstunden sind für Hörbe und Richard im altersmüden Tatonka-Tunnelzelt ziemlich unentspannt, da der Wind in der Längsseite immer wieder ein gefundenes Fressen hat.
2. Tag, Sonntag, 22. Juli 2007
Doch mit uns ist nachts auch der Wind müde geworden und am nächsten Morgen empfängt uns ein freundlicher Tag. Die Strapazen vom Vortag liegen uns noch in den Knochen, sodass wir erst etwas länger schlafen und es dann beim Packen und Frühstücken auch etwas langsamer angehen. Wir biegen bald nach Osten ab, um auf dem Grüneggfirn noch etwa zwei Stunden aufzusteigen, bis wir auf etwa 3000m einen schönen Platz in Geröll, Schnee und Eis finden, wo wenig später die Zelte stehen und ein sonniger geruhsamer Nachmittag verbracht wird. Zwischendurch üben wir Spaltenbergung in diversen Variationen, wobei es in unseren Szenarien eigentlich immer Martin ist, der in die Spalte fällt...
3. Tag, Montag, 23. Juli 2007, Großgrünhorn, 4044m, WS+
Um 4:30h stehen wir langsam auf und genießen im Würzburger Zelt einen frühmorgendlichen Porridge. Um 6 Uhr sind wir abmarschbereit und lassen bald eine Gruppe Engländer, die kurz vorher unsere Zelte passiert hat, hinter uns liegen, während wir die Südflanke des Grüneggfirns im knackigen Morgeneis emporziehen. Nach der Passage eines steilen Couloirs geht’s auf einem verwehten Wächtenrücken ostwärts hinauf, bis wir schließlich am Grünegg in den Grat einsteigen, der zum Gipfel des Grünegghorns (3860m) führt. Hörbe und ich haben uns aus der Seilschaft ausgeklinkt und versuchen allein unser Glück. Wir durchschreiten nach einem anspruchsvollen Abstieg die Grünhornscharte und stürmen, uns westlich haltend, den langen ausgesetzten Grat zum Großgrünhorn (4044m). Für einige Sekunden zeigt sich uns unnahbar und irgendwie herablassend im Osten die zackige Krone des Finsteraarhorns. Am Gipfel schließlich beglückwünschen wir uns stolz. Nach einem Riegel und sporadischen Blicken, die wir durch vorbeijagenden Wolkenfetzen nach Nordwesten erhaschen können, machen wir uns an den Abstieg, der uns den Rest der Truppe am Grünhorngrat entgegenbringt. Während der Schnee sulzig und das Wetter noch schlechter wird, meistern wir dann nach einer fiesen Spalte den Grünegggrat und befinden uns, als es dann vollkommen zugezogen ist, auf dem Schneerücken vor dem Couloir. Als wir gegen 15 Uhr das Lager erreichen, regnet es, sodass wir Schutz und Erholung im Zelt suchen. Die Würzburger erreichen uns etwa eine Stunde später heil und erfolgreich.
4. Tag, Dienstag, 24. Juli 2007
Nachts hat ein mächtiges Gewitter um die Zelte getobt. Morgens jedoch hat der Regen immerhin aufgehört, wobei die Sicht nach wie vor schlecht ist und die Sonne sich nicht blicken lässt. Wir lassen´s gemach angehen und überschreiten mittags die Grünhornlücke (3280m), queren den gesamten oberen spaltenreichen Fieschergletscher, um uns dann an seiner nördlichen Seite zu stärken. An der Finsteraarhornhütte, die wie ein riesiges Ufo an den Hang geklatscht ist, lassen wir uns bestätigen, was wir schon wissen: morgen soll der schönste Tag der Woche werden; hoffen wir es. Weiter geht’s hinauf, wir passieren den alten Hüttenplatz und graben noch einmal ca. 100m oberhalb, also etwa auf 3200m, die Zelte in den Firnhang.
5. Tag, Mittwoch, 25. Juli 2007, Finsteraarhorn, 4274m, ZS-
3 Uhr, sternklarer Himmel. Wir stehen auf und stärken uns wieder mit Haferschleim. Im Osten bereits ein leichter Schimmer, als wir um 4.30h loslaufen; unter uns eine schwankende Stirnlampenprozession, die den Hang hinaufzieht. Nach spaltendurchzogenem Weg passieren wir den Frühstücksplatz und nehmen – angeführt von unserem Hugi – die lange Flanke zum Hugisattel (4080m) in Angriff. Von dort sind es noch Hörbe, Richard und Martin, die in den Gipfelgrat (ZS-) einsteigen. Uns tendenziell südlich haltend geht es abwechselnd über steile, exponierte Firnstellen oder als Kletterei direkt auf dem Grat zum Gipfel, den wir als erste Seilschaft des Tages um 8.40h überglücklich erreichen. Uns bietet sich ein überwältigendes Panorama auf das gesamte Berner Oberland, mit Eiger, Mönch und Jungfrau, unserem Großgrünhorn, den Fiescherhörnern, dem Schreckhorn und allen anderen. Im nördlichen Dunst liegt der Schwarzwald hinter den Bergen des Brienzer Sees. Halb vom Aletschhorn verdeckt thront südwestlich das Mont Blanc-Massiv, südlich erheben sich die Walliser Alpen mit dem imposanten Matterhorn. Monte Rosa, Weishorn und der ganze Rest zeigen sich in voller Pracht. Wir genießen unseren Gipfel in vollen Zügen. Als die nächste Seilschaft eintrudelt, machen wir uns dann an den Abstieg, der hervorragend funktioniert, weil wir mittlerweile den Grat ziemlich gut zum Sichern nutzen können. Am Hugisattel schmeckt uns das Thunfisch-Knäcke besonders gut. Der weitere Abstieg wird zunehmend grobmotorischer, da sich vermehrt Stollen unter den Steigeisen bilden. Gegen 12 Uhr trudeln wir im Lager ein, wo Thorsten und Daniel bereits in der Sonne braten, und lassen den Rest des Tages faul ausklingen, wobei Hörbe und ich noch den Bach umkanalisieren müssen, der mittlerweile direkt durch unser Zelt fließt.
6. Tag, Donnerstag, 26. Juli 2007
Wir travesieren vormittags in Südöstlicher Richtung von unserem Lagerplatz zum Einstieg in die steile Gemschlicke und werden hier von Steinschlag und extrem brüchigem Fels noch einmal ordentlich gefordert. Auch der bald folgende Anstieg zum Oberaarjoch (etwa 3200m) ist in der windstillen Mittagshitze eine Tortur. Von dort geht es nur noch bergab, den ganzen Oberaargletscher bis zum Oberaarsee mit seinen saftigen grünen Hängen, der Blumenpracht und den Touristen. Daniel und ich laufen noch den halben Weg zum Grimselpass, bis uns ein Rentnerpaar mitnimmt. Drei ausgesprochen hübsche Französinnen bestehen dann darauf, uns in ihrem bereits überaus vollen und ebenso französischen Kleinwagen mit zu unserem Auto im Fieschertal zu nehmen, wobei wir uns bei so attraktiver Umgebung und unserer eigenen, entschieden zu männlichen, Ungepflegtheit, eher unwohl fühlen. Wieder zurück am Grimselpass wird der Rest eingeladen und wir lassen die in jeder Hinsicht gelungene Tour bei Richards Eltern am idyllischen Brienzer See ausklingen.